Beim wohl ältesten der kanonischen Evangelien, dem „Evangelium nach Markus“, handelt es sich um einen höchst eigenartigen Text. In der ersten Hälfte hören wir, wie Jesus von Nazareth in Galiläa die frohe Botschaft von der Nähe des Gottesreiches verkündet und die Menschen mit allen Sinnen erfahren lässt, was diese Nähe bedeutet. In der zweiten Hälfte aber geht Jesus sehenden Auges einen Weg, der ihn ans Kreuz führt und seine Anhänger dazu bringt, in Panik auseinanderzulaufen.
Wer sollte sich von einer solchen Geschichte überzeugen oder im Glauben bestärken lassen? Das fragten sich, zehn oder fünfzehn Jahre nach Markus, zwei Personen, die wir als „Matthäus“ und „Lukas“ kennen. Daher legte jeder von ihnen eine alternative Jesuserzählung vor – nicht dazu gedacht, das Markusevangelium zu ergänzen, sondern zu ersetzen. Damit hatten sie nur teilweise Erfolg, denn sie übertrafen ihren Vorgänger zwar an Popularität, verdrängten ihn aber nicht und stehen jetzt neben ihm im kanonisch gewordenen Neuen Testament.
Der Studientag hat zum Ziel, die Differenzen der beiden ersten Evangelien wahrzunehmen und fruchtbar zu machen: Was lässt sich damit anfangen, dass Matthäus und Markus die Jesusgeschichte nicht bloß unterschiedlich, sondern oft geradezu gegensätzlich erzählen?
Anmeldung erforderlich
Ev. Kirchenkreis, Hohe Straße 16, Düsseldorf
apl. Prof. Andreas Bedenbender, Biblische Theologie, Institut für Evangelische Theologie, Universität Duisburg-Essen
Dr. Uwe Gerrens