Dass Antisemitismus „Sünde gegen den Heiligen Geist“ sei, hat Karl Barth 1938 aus Anlass der Pogromnacht am 9. November gesagt, als die Synagogen in Deutschland in Brand gesteckt wurden. Anders als damals gilt es heute als Konsens, dass Antisemitismus nicht nur aus menschenrechtlichen, sondern auch aus theologischen Gründen zu verurteilen ist. Darüber wird aber zuweilen vergessen, dass der Antisemitismus Wurzeln auch in christlich-theologischer Tradition hat. Der Vortrag geht den verwickelten Zusammenhängen zwischen Christentum und Antisemitismus nach – von der „Lehre der Verachtung“ bei den Kirchenvätern über die Mythen des Mittelalters, Martin Luthers Judenfeindschaft und den Nationalprotestantismus des 19. Jahrhunderts bis zu den „Deutschen Christen“ und den ambivalenten Einstellungen gegenüber dem Judentum bei Dietrich Bonhoeffer und Karl Barth. Impulse kann die Arbeit an einer theologischen Umkehr und einer veränderten christlichen Theologie, die judentum-sensibel ist, nur aus dem Gespräch mit dem Judentum bekommen. Wir stehen immer noch am Anfang dieses Weges.
Anmeldung erforderlich
Evangelischer Kirchenkreis, Hohe Straße 16, Düsseldorf
Gesellschaft für Christlich–Jüdische Zusammenarbeit
Prof. Dr. Andreas Pangritz, Theologe, Universität Osnabrück
- Andrea Sonnen
- Dr. Gabriela Köster