Kurs 115
Interreligiöser Dialog

09.10.2018 | 11.12.2018 | 18.12.2018 | 08.01.2018 | 29.01.2018

dienstags 19.00 bis 20.30 Uhr

Islamische Theologie – was ist das?

Hat der Islam ein Problem mit der Moderne?

Seminar

Selbstkritisch gewordene europäische Gesellschaften haben mit Post-Kolonialismus, Gender-Theorien und Toleranzerwartungen ein allzu starkes Festhalten an Dogmatik und Tradition aufgegeben. Vor diesem Hintergrund soll nach Reformansätzen im Islam gefragt werden. Islam als Sammelbegriff verschiedener Schulen und Denkrichtungen, ein Islam, der von vielen zeitgenössischen Intellektuellen interpretiert wird, die für ein neues Islamverständnis plädieren und dieses theologisch aus den islamischen Quellen begründen. Wie agiert der Islam in der Moderne, und wie sollte er agieren?

Mit der Einrichtung von Lehrstühlen und Studiengängen zur islamischen Theologie versucht die Bildungspolitik in NRW europäischen Stimmen im Islam mehr Geltung zu verschaffen. Statt traditionsorientierten Importen aus der Türkei, aus Saudi-Arabien oder Ägypten gewinnt so tatsächlich die Auseinandersetzung zwischen moderner Wissenschaft und islamischer Koranauslegung deutlich an Gewicht.

Namhafte Vertreterinnen und Vertreter erläutern exemplarisch zentrale Problemfelder ihrer Disziplinen. Gefragt wird nach reformorientierten Strömungen innerhalb des Islam und dem Verhältnis von Islam und Moderne, nach dem Koran als spätantikem Text, der in Auseinandersetzung mit anderen religiösen und kulturellen Strömungen seiner Zeit stand, darunter Judentum und Christentum, nach der Gotteslehre (wer ist Gott, und kann man ihm Eigenschaften zuschreiben?). Ein unwissenschaftlicher Zugriff durch das Gespräch mit einem Filmregisseur über sein Islambild im Film soll die Reihe ergänzen.

Alle Informationen finden Sie hier oder in einem Faltblatt, das bei Claudia Nerling, Telefon 0211 / 957 57-746, claudia.nerling@evdus.de angefordert werden oder hier als PDF-Datei  (4,4 MB) heruntergeladen werden kann.

9. Oktober 2018

Prof. Dr. Daria Pezzoli-Olgiati, Religionswissenschaftlerin, München

Zwischen Innovation und Tradition: Frauenfiguren auf der Suche nach Identität

Die Frage nach der Rolle von Frauen in der Gesellschaft findet auch im 21. Jahrhundert keine Ruhe. Was bedeutet es eigentlich, eine Frau zu sein? Welche Rolle sollen Frauen in der Familie oder in der Gesellschaft übernehmen? Der Vortrag vertieft diese Fragen in Autoren-Filmen, die muslimische Frauen inszenieren.

Anhand von Porträts, die Frauen als Fremde auf der Suche nach einer eigenen Identität präsentieren, leisten die ausgewählten Filme einen starken Beitrag zur Reflexion über unsere Gesellschaft. Damit öffnen sie künstlerische Räume, in denen das vermeintlich Selbstverständliche hinterfragt und neue Ideen geschmiedet werden.

Die Referentin hat das Spektrum „Medien und Religion“ im Rahmen einer Züricher Forschungsprofessur erforscht und lehrt jetzt an der Ludwig-Maximilian-Universität München.

11. Dezember 2018

Prof. em. Dr. Angelika Neuwirth, Islamwissenschaftlerin, Berlin

Kritische Koranforschung

Ist der Koran ein rein islamischer und damit „dem Westen“ fremder Text? Der Koran wird als neue und eigenwillige Stimme in jenem Konzert spätantiker Debatten begriffen, in denen auch die theologischen Grundlagen der jüdischen und christlichen Religion gelegt worden sind. Somit wird er als ein auch in Europa vertrauter Text erkennbar, der unbeschadet zum ‚europäischen Erbe‘ gerechnet werden könnte, trennten nicht uralte Vorurteile von einer unvoreingenommenen Wahrnehmung. Dabei handelt es sich nicht wie im Fall der hebräischen Bibel oder des Neuen Testaments um ein kontinuierlich lesbares Buch, sondern um das, was das Wort «qur‘an» – ein syrisch-aramäisches Lehnwort – neben «Vortrag», «Lesung» eben auch bedeutet, eine «Perikopensammlung», d. h. ein Schriftkorpus, aus dem Texte zur liturgischen Rezitation ausgewählt werden können.

Die Referentin leitet das Forschungsvorhaben Corpus Coranicum, das die Erstellung einer historisch-kritischen Dokumentation des Korantextes samt literarkritischem Kommentar zum Ziel hat.

18. Dezember 2018

Prof. em. Dr. Bassam Tibi, Göttingen

Zwischen schriftgläubiger Fiqh/Sakraljurisprudenz und Reform – Theologie im Kontext islamischer Bewältigung der kulturellen Moderne

Im innerislamischen dominierenden Verständnis erfolgt die Beschäftigung mit religiösen Fragen schriftgläubig (sola scriptura) als Fiqh (Islam als Rechtsreligion) nicht als Kalam/Theologie. Anschließend an sein Hauptwerk „Islam‘s Predicament With Modernity“ wird Bassam Tibi sich mit diesem islamischen Verständnis auseinandersetzen. Drei zentrale Gegenstände islamischer Bewältigung der kulturellen Moderne werden im Mittelpunkt stehen:
- Glaube und Wissen
- Das islamische Recht Schari‘a im Konfl ikt mit dem legislativen Recht
- Das islamische Menschenbild in der Spannung zwischen der Bestimmung des Menschen als einem Individuum (das Subjektivitätsprinzip) und Einordnung in das Kollektiv der Umma.

Der Vortragende war Politikwissenschaftler an der Georg-August-Universität Göttigen und war zu Lehr- und Forschungsaufenthalten in Harvard, St. Gallen, Jakarta, an der Cornell (Ithaka), Wien, Khartoum, Princeton, Ann Arbor (Michigan).

8. Januar 2018

Prof. Ahmad Milad Karimi, Religionsphilosoph und Islamwissenschaftler, Münster

Zur Gottesvorstellung im Islam

Der Glaube an den einen Gott stellt das tragende Moment der Religion des Islams dar. Von welchem Gott ist hier aber die Rede? Und wie lässt er sich denken? Wenn die Gottesvorstellung im Islam eine trinitarische Deutung der Einheit Gottes ausschließt, wie lässt sich dann überhaupt von Gott reden, und inwiefern können ihm dann überhaupt Eigenschaften zugesprochen werden, ohne dass seine Einheit verletzt wird? Worin besteht also das Wesen Gottes und worin seine Tat? Wenn der Koran als Offenbarung Gottes gilt, wie ist dann die Rede von Gott in Geschichte und Gegenwart zu bestimmen? Diese und weitere Fragen werden im Vortrag aufgegriffen und beantwortet.

Als stellvertretender Leiter am Zentrum für Islamische Theologie erforscht der Referent systematisch die islamische Religionsphilosophie und ihre Geschichte.

29. Januar 2018

Prof. Dr. Bülent Ucar, Islamwissenschaftler und Religionspädagoge, Osnabrück

Islamische Normen im Transformationsprozess – zwischen tradierten Texten und innovativen Kontexten

Entgegen einem verbreiteten Irrtum hat die Scharia noch nie ein einheitliches Rechtssystem ausgebildet, sondern existierte seit Jahrhunderten in verschiedenen, einander durchaus widersprechenden Rechtsschulen, die schon immer aufeinander reagierten und in stetigem Wandel begriffen waren. Es stellt sich die Frage, inwieweit sie sich auch heute noch dem Wandel öffnen. Worin bestehen die Fallstricke einer Verhältnisbestimmung zwischen dem Normenkatalog der Scharia und westlichen Grundrechtsvorstellungen? Welche Herausforderungen gibt es für die islamische Religionspädagogik an einer staatlichen deutschen Schule?

Am Institut für islamische Theologie bildet der Referent islamische Religionslehrer aus. Er hat seine Habilitationsschrift der Wandelbarkeit der Scharia in der aktuellen Diskussion in der Türkei gewidmet.

Veranstaltungsort

Haus der Universität, Schadowplatz 14, Düsseldorf

Kooperationspartner

Haus der Universität Düsseldorf, Studium Universale

Referent/in

Prof. Dr. Daria Pezzoli-Olgiati, Religionswissenschaftlerin, München
Prof. em. Dr. Angelika Neuwirth, Islamwissenschaftlerin, Berlin
Prof. em. Dr. Bassam Tibi, Göttingen
Prof. Ahmad Milad Karimi, Religionsphilosoph und Islamwissenschaftler, Münster
Prof. Dr. Bülent Ucar, Islamwissenschaftler und Religionspädagoge, Osnabrück

Leitung

- PD Dr. Christoph auf der Horst

- Prof. Dr. Heiner Barz

- Dr. Uwe Gerrens